Echt schön ist echt nicht schön zu lesen

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echt schön buch

Was Beauty und Kosmetik angeht halte ich mich selbst für sehr aufgeschlossen. Da mein Look und damit auch mein Make Up sich an den 40er bis 50er Jahren orientiert, laufe ich alles andere als dezent geschminkt durch die Gegend. Roter Lippenstift? Aber klar! Lidstrich? Jeden Tag! Aufgemalte Augenbrauen? Ohne verlasse ich nicht das Haus! Wie ihr seht bin ich das Gegenteil von natürlich (was ich persönlich nicht weiter schlimm finde). Trotzdem halte ich von dem Buch „Echt schön“ nicht viel.

Echt schön – Ich finde es nicht schön

Das Buch sieht von außen ganz süß aus. Das Cover ist geprägt und ansonsten schlicht gehalten. Mehr als 400 Seiten fasst das Beauty-Handbuch. Ich frage mich, wer so viel zum Thema Schönheit zu sagen hat und rechne mit vielen Bildern und Illustrationen. Aber nein: Das Buch zum Thema Schönheit verzichtet so gut wie komplett auf Fotos und Anschauungsmaterial. Schönheit lässt sich nach Ansicht der Autorin Sali Hughes scheinbar einfach in Worte fassen. Obwohl ich der Meinung bin Ein Bild sagt mehr als tausend Worte beginne ich zu lesen.

Echt schön ist echt engstirnig

Vorweg: Nicht alles in dem Buch ist schlecht. Die Einleitung ist sehr persönlich geschrieben. Die Farbenlehre ist interessant und auch die Tipps gegen einen Bad Hair Day sind super. Aber insgesamt will der Funken bei dem Buch einfach nicht überspringen. Es wirkt nicht echt.

Während mir im vorigen Kapitel gesagt wird, dass ich nicht alle Kosmetikprodukte kaufen soll, lese ich wenige Seiten später von einer Pflegeroutine, die natürlich nicht ohne Serum, Nachtcreme und Gesichtsöl auskommt. Was denn nun liebe Frau Hughes? Brauche ich jetzt doch alles?

Ein weiterer Punkt, der mich persönlich stört ist das Kapitel: So geht Botox (und so nicht!). Zwar spricht sich Sali Hughes dafür aus, dass sie selbst kein Botox verwenden möchte, trotzdem halte ich es für unnötig dieses Kapitel in einem Beauty-Handbuch aufzugreifen. Wozu das Thema ansprechen, wenn man es auch außen vor lassen könnte. Mit dem Aufgreifen im Buch stellt sie Botox auf ein Podest, auch wenn sie selbst sich (wenn auch verhalten) dagegen ausspricht.

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Auch bei den Tipps für ältere Leser frage ich mich: Liebe Frau Hughes, soll ich den Eyeliner ab 45 wirklich sein lassen? Nicht mit mir denke ich. Denn wenn eine Frau einen Lidstrich tragen möchte, dann soll sie es tun! Auch mit 50 noch.

Auch wird in dem Buch der Gedanke geschürt, dass Männer eine Frau immer nur geschminkt sehen wollen. Ebenso am Morgen nach einer durchzechten Nacht möchte ich kein Notfallpaket aus der Handtaschen kramen müssen, um noch als akzeptabel zu gelten.

Auch wenn das Buch hin und wieder interessante Kapitel hat, hänge ich mich an Überschriften wie SCHÖN SEIN TROTZ KRANKHEIT auf, die mit einem Zitat unterstrichen werden: „Lächeln Sie. Und tragen Sie weiterhin roten Lippenstift“. Finde nur ich es anmaßend zu erwarten, dass Frau – wenn es ihr schlecht geht – noch hübsch aussehen soll? Ich bin ja der Meinung: Mut zur Hässlichkeit. Wer schlecht geht, der darf das Aussehen auch mal vernachlässigen.

Fazit zu Echt schön

Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich nicht streiten. Aber wenn ich eine Rezension schreibe, möchte ich ehrlich sein. Das Buch fördert Perfektion, die aus meiner Sicht nicht zu erreichen ist. Individualität und sich selbst finden? Nicht wenn ihr Echt schön sein wollt. Die Autorin zeigt mehr Probleme als Lösungswege für ein schönes Äußeres. Ganz nach dem Motto: Wer schön sein will, muss leiden.

Trotz meiner recht konservativen Lebenshaltung bin ich davon schockiert, wie es heute noch so ein altertümliches Denken über das Aussehen der Frau geben kann. Die Tipps erinnern mich an die Zeiten, in denen ich mich von der Bravo Girl und Mädchen habe belehren lassen. Echte Frauen sind auch echt schön ohne Echt schön.

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